|
Aerzte ueber Frugivore
|
|
09.06.2008, 22:09
Post: #1
|
|||
|
|||
|
Aerzte ueber Frugivore
» Hallo,
» » kennt jemand einen Arzt der einem hilft auf Obsternährung umzusteigen? » » » Ich bin noch nicht Gesund, habe noch Probleme mit der Verdauung und » » mit der Leber. Auch kann ich noch nicht komplett von Obst leben, obwohl » » ich mir eigentlich sicher bin das es das richtige für mich ist. » » » » Grüße » » » Guten Tag, Ihre Frage kann ich nicht ganz nachvollziehen insofern Sie alle Informationen zum Thema Frugivore sogar im Internet abrufen koennen. Ausserdem sind meine eigenen Verdauungsprobleme, die ich vor der Umstellung auf Fruchtdiet hatte, aufgrund meiner Ernaehrungsumstellung auf Fruchtkost komplett verschwunden. Es gibt mehrere Aerzte, die Ihnen evtl dabei helfen koennen, Ihre Leberbeschwerden loszuwerden, das steht ausser Frage. Ich bin zwar kein Arzt wie mein Vater oder befreundete Aertze und kann Ihnen daher nicht unmittelbar bei Ihrem Anliegen weiterhelfen, da ich mich ohnehin eher mit alternativen Heilmethoden beschaeftige, die ich im Falle des Auftretens einer Krankheit bei mir selbst anwende und ich nur im Notfall einen Arzt ambulant aufsuchen kann, insoern mir die Krankenversicherung seit 1991 verweigert wird. Meines Wissens laesst sich die Leber meines Wissens nach relativ kurzer Zeit u. verhaeltnismaessig leicht innerhalb von sechs Monaten komplett entgiften und gilt als eines der am meist durchbluteten Organe als schnell heilbar, voraussgesetzt, sie leiden an keiner Leberzersetzung, an Hepatitis C oder anderen schwerwiegenden Leberkrankheiten. Sollte Ihre Leber an und fuer sich gesund sein, jedoch Ihre Leberwerte ohne erkennbare Ursache erhoeht sein, dann koennen innere Angst, chronischer Aerger und angestaute Aggressionen Ursachen fuer innere Vergiftung sein, weshalb positiv denken un das Abbauen von inneren Aengsten erhebliche Hilfe leisten kann. Ich hatte auch schon Leberbeschwerden , die ich aufgrund einer Spritzmittelvergiftung bekommen hatte. Mir war dies damals nicht bewusst, bis ich von erfahrenen Kraeften auf mein Leiden aufmerksam gemacht wurde. Sobald ich mit meinen Fingerspitzen unter dem rechten Brustkorb am Rippenansatz in Lebernaehe gegen die Bauchdecke drueckte verspuerte ich einen Schmerz, der von der Leber ausging. Nachdem ich auf meine Lebervergiftung aufmerksam gemacht war, leitete ich Massnahmen zur Beseitigung meiner Leberbeschwerden ein, weshalb meine Beschwerden nach kurzer Zeit verschwunden waren, die uebrigens nichts mit meiner fructarischen Ernaehrung zu tun hatten, sondern von der Spritzmittelindustrie ausgeloest waren. Leider kann ich Ihnen keine weiteren Angaben machen, weshalb ich Sie bitten will, am besten gleich einen kompetenten Arzt oder Naturheilpraktiker aufzusuchen und mich zukuenftig mit derartigen Gesundheitsfragen zu verschonen. Ausdruecklich moechte ich Ihnen hiermit zu meiner Sicherheit mitteilen: Meine Angaben sind nicht als Gesundheitsratgeber oder dergleichen zu verstehen, weshalb ich Ihnen empfehle sich von einem Arzt untersuchen zu lassen. Folgende bekannte Aerzte beschaeftigen sich mit dem Thema und evtl kann Ihnen ja Dr. Schnitzer weiterhelfen. [strong]Ich kenne diese Aerzte nicht persoenlich da ich auch nicht krank bin. [/strong] [link=http://www.norbertmoch.de/_vegetarismus_veganismus/historisches/Der_Vegetarismus_Andries_1893.htm]Dr. P. Andries[/link] Dr. Bernarr Dr. Douglas N. Graham [link=http://www.vebu.de/alt/nv/dv/dv_1986_3__Vegetarismus_und_Wissenschaft,_Dr_med_O_Buchinger.htm]Dr. med. O. Buchinger[/link] Dr. Ruediger Dahlke, Richtig Essen, Knaur 2006 Dr. Richard Lehne Dr. Ulrich Strunz, Die Diät, Heyne 2002 Dr. Johann G. Schnitzer, Bluthochdruck heilen, Eigenverlag 2004 Dr. med. Joseph Evers: Prof. Dr. Luis Vallejo Rodrìguez und andere.. Literatur: Dr. T. C. Fry Dictionary of Natural Foods (Dr. William Esser) Food Combining Made Easy (Dr. Herbert M. Shelton) Fruit the Food & Medicine for Man (Morris Krok) Fruit: The Ultimate Diet (Rejean Durette) Grain Damage (Dr. Douglas N. Graham) I Live on Fruit (Essie Honiball) On Nutrition & Physical Performance (Dr. Douglas Graham) Raw Food Pearmid + Food Combining Poster (David Klein) Superior Nutrition (Dr. M. Herbert Shelton) The China Study (T. Colin Campbell, Ph.D.) The Great Fruitarian Debate! (T. C. Fry) The Salt Conspiracy (Victoria Bidwell) The Science & Fine Art of Food & Nutrition (Dr. Shelton) RAW FOOD RECIPE GUIDES Fresh Vegetable and Fruit Juices (Dr. Norman Walker) The High Energy Diet Recipe Guide (Dr. Douglas Graham) Es ist erstaunlich, daß die berühmtesten Naturforscher der Menschheit Vegetarier waren und einer nach dem anderen erklärt hat, dass der Mensch von Natur aus Vegetarier bzw. Frugivore sei: John Ray (1628-1704), Vater der englischen Naturgeschichte Carl von Linnèe (1707-1778), Präsident der Akademie der Naturwissenschaften und Professor der Botanik in Stockholm George Louis Leclerc, besser bekannt als Count Buffon (1707-1788), Mitglied der Akademie der Naturwissenschaften Dr. Louis Maria D'Aubenton, besser bekannt als Daubenton (1716-1799). Er war Professor für Mineralogie und Naturgeschichte an der Schule der Medizin. George Cuvier (1769-1832) war ein französischer Naturforscher, Anatom und Geologe. Alexander von Humboldt (1769-1859) war ein deutscher Naturforscher, Entdecker und Geograph. Richard Owen (1804-1892) war ein englischer Naturforscher. Er studierte Anatomie, vergleichende Physiologie und Paläontologie. Charles Darwin (1800-1882), der berühmteste aller Naturforscher Thomas Henry Huxley (1825-1895) war ein englischer Arzt und Anthropologe Sir Arthur Keith (1866-1955) war ein berühmter englischer Anatom und Anthropologe. [bearbeiten] Rohkost Dr. med. Joseph Evers: T. Colin Campbell (M.S., Ph.D.), Leiter der weltgrößten Ernährungsstudie (»China-Studie«): Quite simply, the more you substitute plant foods for animal foods, the healthier you are likely to be. I now consider veganism to be the ideal diet. A vegan diet - particularly one that is low in fat - will substantially reduce disease risks. Plus, we've seen no disadvantages from veganism. In every respect, vegans appear to enjoy equal or better health in comparison to both vegetarians and non-vegetarians. [bearbeiten] Verschiedene Texte Guy-Claude Burger: Mindfood Englische Linkliste zum Thema »Natürliche Gesundheit«. http://www.tierversuchsgegner.org/wiki/i...Gesundheit http://www.readers-edition.de/2007/09/19...ser/print/ Ihre Frage koennte durchaus als bequeme Provokation aufgefasst werden, weshalb ich Sie bitten moechte, in Zukunft selbst zu recherchieren, bevor sie derartige Fragen an mich stellen. Falls Sie sich wie viele nur in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit ruecken wollen, muesste ich Ihnen nahelegen, einen Psychologen aufzusuchen. Ich gehe davon aus, dass Sie zumindest eine ganz andere Lebenseinstellung haben, schliesslich bin ich aus eigener kraft und ohne aerztliche Hilfe Fruchtesser geworden und musste alle meine Vorurteile in jahrelanger Arbeit selbst aufloesen. Im Uebrigen bin ich nur fuer meine eigene Geusndheit verantwortlich. Danke fuer die Beherzigung und Gute Besserung. ons@ |
|||
|
09.06.2008, 22:12
Post: #2
|
|||
|
|||
|
Eduard Balzer
http://www.ivu.org/history/societies/vbd.html
History of the German Vegetarian Societies In 1867 Eduard Baltzer, from Liepzig, founded the Deutsche Verein für natürliche Lebensweise (German Natural Living Society) - as far as we know this was the first society in Germany to promote vegetarianism. The following year, 1868, Gustav von Struve founded the Stuttgarter Vegetarierverein (Stuttgart Vegetarian Association) ; this group expanded in 1877 to become Süddeutschen Vegetarierverein (South German Vegetarian Association). In 1879 Robert Springer founded a group in Berlin - Deutsche Verein für harmonische Lebenweise (German Association for Harmonious Living), which soon became another national society, the Vegetarier Verein. There were soon many more local groups in Germany mostly affiliated to one of the two national groups. In September 1889 the Liepzig group invited the two major British Societies and others from Germany to a Congress in Cologne. This appears to have been the first ever international gathering of vegetarians. A good time was had by all, including boat trips on the Rhine for the first two days followed by lectures and discussions on the remaining days. The event was very successful, with between 80-100 people at each of the lectures, and it was agreed to arrange further international meetings. On October 1st the London Vegetarian Society initiated the Vegetarian Federal Union, which was meant to be for all vegetarian societies from any country but, in reality, was mostly English speaking groups in Britain, Ireland and America. Some representatives from Germany attended an International Congress organised by VFU in London in September 1890, and one or more German groups joined VFU, but they were never very actively involved. On June 7, 1892, at a joint Congress in Leipzig, the two national societies agreed to unite and form the Deutscher Vegetarier-Bund (German Vegetarian Federation) with its base in Liepzig. By the end of 1893 many more local groups had joined the Federation, including 'Berlin, Chemnitz, Frankfurt/M., Glauchau, Hanover, Hamburg, Leipzig, Magdeburg, Meissen, Zurich as well as the vegetarian settlements Eden Orianenburg, near Berlin, and Bülach in Switzerland.' The Bund published a magazine: Vegetarische Warte. The Stuttgart group remained outside the Federation along with a few others, but over the following years about 70% had joined the Bund. In 1908 the first IVU Congress was held in Dresden, this was initiated by the Manchester, UK based Vegetarian Society, following a suggestion from the French Society. The idea of holding the Congress in Dresden may have been a deliberate attempt to link the English and German speaking Federations - if so it succeeded admirably and IVU has continued from that point until today. The Dresden Vegetarian Society was founded in 1881 and in 1908 it appears to have been a member of the Deutscher Vegetarier-Bund as they worked closely together on the Congress with Dr.Selss, president of the Bund, in the chair. The Secretary of the Dresden Society is mentioned in the reports as Georg Förster. Between 1910 and 1913 Herr Förster and his wife, Martha, broke away from the Bund to form their own societies, including Verein Vegetarischer Frauen - Association of Vegetarian Women founded by Martha. In 1918 another Federation was started from Berlin and the Dresden groups joined it. However by 1930 they had fallen out and the Dresden groups started their own Federation, very much based on the personality of Georg Förster, but nevertheless very successful. In 1932 the IVU Congress was held at the Eden Camp, Berlin, which was a member of the Deutscher Vegetarier-Bund - now celebrating its 40th year. In 1935 independent societies were made illegal and were forced to either join the Nazi Living Reform Movement or close. The members of the Deutcher Vegetarier-Bund conducted a ballot of their members and they voted to close. On February 18, 1935 the Bund was dissolved. The groups based in Dresden attempted to continue under Nazi authority but they had also closed by 1941 or 42. In 1945 the Vegetarians re-established themselves and, after various reorganisations and name changes, became the Vegetarier-Bund Deutschlands (Vegetarian Federation of Germany) in 1985. -------------------------------------------------------------------------------- The following articles appeared in the May/June 1992 issue of Der Vegetarier (VBD magazine) which celebrated the centenary of the Bund. Ursprung - Weg und Ziel / Origin - Way and a Goal - introduction Eduard Baltzer (1814-1887) - founder of the first society in 1867 (Deutsch / English) Vegetarischen Vereine bis 1945 / Vegetarian Associations until 1945 Die Vegetarische Bewegung seit 1945 / The vegetarian movement since 1945 also from other sources : The Vegetarian Movement in Germany - from The Vegetarian (London), April 26, 1890 Report from the Deutscher Vegetarier Bund, 1897 1908 IVU Congress in Dresden January 1909 - The German Vegetarian Society reports an increase of membership numbering 348 since January 1908. This is a record number within an equal period since the "Bund" has been formed. [note this was just the increase in 1908 - the total membership figure was not given] Dr. Selss (President of the Deutcher Vegetarier-Bund) 1908 - 1910 Some notes from the IVU Congresses in the 1920s - with some photos 1932 IVU Congress in Berlin/Hamburg The Deutscher Vegetarier Bund voted to close in February 1935 and was re-formed in 1945. The report from the 1935 IVU Congress noted simply that "two of its important societies had seceded" - presumably the Dresden based group had also left IVU whilst attempting to continue under the Nazis. The report from the 1938 Congress included: "It was intimated that an invitation to hold the Congress in 1940 had been received from the German Government, but in view of the fact that there was no society from Germany in the Union at the present time, and of the difficulties of local organization under such circumstances, it was felt that the Congress could not see its way to accept the invitation." From the report of the 1947 IVU Congress, Held in Stonehouse, England: "... it is regretted that the delegates from Germany did not receive their permits to travel until after the Congress was over." ... "It was regrettable that no delegates from Germany had been able to get over in time for the Congress although Mr. Siebeneicher (Berlin), who was in England at the time, attended the Congress before its close." ... "...Messages of good wishes to the Congress were also received from ... the Liga für Lebens-Reform (Hamburg)."... Vegetarians in Germany - from the Vegetarian World Forum, Autumn 1948 German Societies and IVU in the 1940s and 50s Mrs Elizabeth Ecker-Lauer 1955-57 Herr.Geo Hiller 1957-79 1960 IVU Congress in Hannover/Hamburg 1960 - Nazoraer Orden (Germany) 1960 - Walter Sommer Verlag (new IVU Member Societies) Dr Pasteur C A Skriver 1960-72 Ulrich Schröter 1979-86 1982 IVU Congress in Neu-Ulm Dr.Hilmar Burgrabbe 1982-86 Rudolf Meyer 1982-94 Ingeborg Natz 1986-93 Marian Breuker 1990-93 Hildegund Scholvien 1993-99 and 2004- 2008 IVU Centenary Congress in Dresden Other related info (some from Switzerland, the early German Federation included some Swiss groups): Richard Wagner (1813-1883) Hiltl Vegi in Zurich oldest vegetarian restaurant in Europe 1898- (EVU) Deutsch: Hiltl Vegi in Zürich ist ältestes vegetarisches Restaurant Europas Dr Albert Schweitzer (1875-1965) Italiano - Dr Albert Schweitzer ons@ |
|||
|
09.06.2008, 22:18
(This post was last modified: 09.06.2008 22:24 by avatar.)
Post: #3
|
|||
|
|||
|
Dr. P. Andries - Norbert Moch
Der
Vegetarismus und die Einwände seiner Gegner. Von Dr. P. Andries. _____________________ Leipzig 1893. Verlag von Karl Lentze. http://www.norbertmoch.de/_vegetarismus_...s_1893.htm Dies Buch wurde Herrn Norbert Moch vom Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. http://www.vegetarierbund.de freundlicherweise geliehen um es einzuscannen. Das Buch plädiert für eine vegane Ernährung (Siehe insbesonde das Kapitel: Die vom lebenden Tiere stammenden Nahrungsmittel). Der Begriff wurde aber erst ca. 50 Jahre geprägt. Die Rechtschreibung wurde absichtlich gelassen wie sie ist, um den ursprünglichen Charakter zu erhalten. © 2002, Internet-Version, Norbert Moch, Kleiststraße 9, 30163 Hannover, http://www.NorbertMoch.de, mail@NorbertMoch.de -------------------------------------------------------------------------------- Vorwort. Das vorliegende Büchlein verdankt seine Entstehung den vielfach geäusserten Wünschen zahlreicher Leser der »Vegetarischen Rundschau", die in dieser Zeitschrift im Laufe der Jahre 1890/91 vom Verfasser veröffentlichte Artikelreihe: »Der Vegetarismus und die Einwände seiner Gegner" in Buchform vereinigt und daher leichter zugänglich gemacht zu sehen. Ein einfaches Aneinanderreihen dieser Artikel würde jedoch den organischen Zusammenhang des behandelten Stoffes zu wenig haben hervortreten lassen; deshalb schien es notwendig, noch einige ergänzende und zum besseren Verständnisse wichtiger Punkte erforderliche neue Abschnitte zuzufügen. Die neu hinzugekommenen Kapitel behandeln: Die verschiedenen Arten der Nahrungsmittel und deren Zweck; den Verdauungsprozess; einige allgemeine Betrachtungen, die gegen den Fleischgenuss sprechen; die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich der Ein- und Durchführung des Vegetarismus entgegenstellen; einige morphologische Beweise für die Stellung des Menschen als Fruchtesser im Tierreiche. Ausserdem kamen noch viele verschiedene Zusätze von zum Teil beträchtlichem Umfange hinzu, die zur Erhöhung der Beweiskraft mancher Sätze wesentlich beizutragen schienen, aber entweder noch gar nicht oder zerstreut in der »Vegetarischen Rundschau" veröffentlicht waren; sie wurden an passender Stelle eingefügt. Auf diese Weise ist die ursprüngliche Artikelreihe auf das Doppelte erweitert worden. Da der Verfasser hauptsächlich vegetarische Leser im Auge hatte, so versuchte er durch seine Ausführungen dieselben in den Stand zu setzen, ihre vegetarische Lebensweise vor sich und anderen rechtfertigen zu können; besonders legte er das grösste Gewicht auf die gründliche Widerlegung des von der heutigen Physiologie noch immer behaupteten grossen Eiweissbedarfs des Menschen, weshalb auch der Inhalt des Büchleins vorzugsweise die physiologische Seite des Vegetarismus behandelt. Ausserdem schien es ihm dringend notwendig, in einem besonderen Kapitel sowohl die Anhänger des Vegetarismus als auch diejenigen der Naturheilkunde, die zum Teil die Vorteile der vegetarischen Lebensweise anerkennen, sich aber gegen die volle Durchführung derselben ablehnend verhalten, über die Folgen dieser Lebensweise aufzuklären und darzuthun, dass die eintretenden kritischen Erscheinungen Heilkrisen bilden, die zu wirklicher Heilung vorhandener krankhafter Zustände führen, also eintreten sollen, und somit nicht als Krankheiten aufzufassen sind, die der Organismus sich unnötiger Weise zugezogen hat. Gerade inbetreff dieses Punktes herrschen die falschesten Vorstellungen, weil die Menschen nicht wissen, wie krank sie sind und welche unendliche Mühe es kostet, krankhafte Zustände vollständig zu beseitigen. Berlin, im September 1892. Der Verfasser. -------------------------------------------------------------------------------- Inhaltsverzeichnis. Einleitung Ueber den Zweck der Nahrungsmittel und die verschiedenen Arten derselben Die Verdauung Der Eiweissbedarf des Menschen Einige allgemeine Betrachtungen, die gegen den Fleischgenuss sprechen Die vom lebenden Tiere stammenden Nahrungsmittel Wo ist die wahre Heimat des Menschen? Die wahre Nahrung des Menschen Ueber die Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich der Ein- und Durchführung des Vegetarismus entgegenstellen Einige morphologische Beweise für die Stellung des Menschen als Fruchtesser im Tierreiche -------------------------------------------------------------------------------- Einleitung. Man sagt, die Wahrheit spricht für sich selbst; sie thut dies auch, aber leider oft in so versteckter Weise, dass es dem Menschen meist sehr schwer wird, sie aufzufinden. Jahrtausende hindurch hat die gesamte Menschheit geglaubt, die Erde nehme den Mittelpunkt des Weltalls ein, und um diese absolut im Raume feststehende Erde drehe sich die Sonne, der Mond, die Planeten und das ganze grosse Heer der Fixsterne. Es darf uns also nicht verwundern, dass die alten Astronomen die tägliche Bewegung der Gestirne durch die Annahme einer wirklichen Krystallsphäre zu erklären suchten, welche in 24 Stunden sich einmal um ihre Axe drehe. Diese Annahme lag sehr nahe, widersprach auch nicht den damals noch höchst unvollkommenen physikalischen Begriffen; sie bedurfte jedoch einer Erweiterung, als das Studium der Planetenbewegung zu Widersprüchen führte, die nur durch Annahme weiterer Krystallsphären (bis zu 8) beseitigt werden konnten. Auf diese Weise entstand ein höchst verwickeltes astronomisches System, das trotzdem doch nicht allen beobachteten Erscheinungen gerecht zu werden vermochte. Als nun im 16. Jahrhundert Kopernikus den Satz aufstellte, dass die Erde sich um ihre Axe drehe und zugleich um die Sonne bewege, schwanden so zu sagen mit einem Schlage alle die Widersprüche, die die alten Astronomen gezwungen hatten, ein so verwickeltes System aufzustellen. Durch die einfache Umkehrung des Satzes von der feststehenden Erde in die sich drehende und im Räume fortschreitende hatte man die Tausende von Jahren hindurch gesuchte Wahrheit endlich gefunden. Heute betrachtet es fast jeder als eine selbstverständliche Thatsache, dass die Erde sich um sich selbst und um die Sonne drehe; aber welche unendliche Mühe hat es gekostet, um den Menschen diese einfache Wahrheit klar zu machen und sie davon zu überzeugen. - Ganz ähnlich verhält es sich mit der Frage: Welches ist die richtige Nahrung für den Menschen, reine Pflanzenkost oder Fleischkost, beziehungsweise gemischte Kost ? Seit vielen Jahrtausenden leben nun schon die Menschen auf dieser Erde, bewohnen alle Zonen derselben, haben alle die diesen Zonen entsprechenden Produkte des Tier- und Pflanzenreichs kennen gelernt und wissen immer noch nicht, aus welchem dieser beiden Reiche sie ihre Nahrung vorzugsweise nehmen sollen. Sie stehen in diesem Punkte weit hinter dem Esel und Ochsen zurück, denen ihre Nase mit grösster Bestimmtheit sagt, was sie fressen dürfen oder sollen und was nicht. Und doch ist diese Frage von der fundamentalsten Bedeutung für die gesamte Menschheit, ja man kann sagen, es giebt keine Frage und hat nie eine solche gegeben, die nur annähernd von solcher Bedeutung ist, wie die der Ernährungsweise des Menschen. Denn von der richtigen Ernährung des Menschen hängt dessen körperliches und geistiges Wohlbefinden, überhaupt dessen normale Existenz nach jeder Richtung hin ausschliesslich ab, wie aus unseren späteren Betrachtungen hervorgehen wird. So wie nun schon vor Jahrtausenden es Menschen gegeben hat, die erkannten, die Erde müsse sich um eine Axe drehen und zugleich um die Sonne bewegen, wenn man mit den Erscheinungen nicht in Widerspruch geraten wolle, die aber mit ihren Anschauungen nicht durchzudringen vermochten, so hat es auch schon vor Jahrtausenden Menschen gegeben, die erkannten, dass nur reine Pflanzennahrung für den Menschen sich eigene, aber mit ihrer Ansicht ebensowenig durchzudringen vermochten. Während aber die astronomische Frage nun schon seit über 300 Jahren gelöst ist, harrt die Ernährungsfrage noch immer ihrer Lösung, noch fragt sich die Menschheit in Betreff dieses Punktes: Was ist Wahrheit ? Vor der Hand ist auch wenig Aussicht vorhanden, dass diese Frage einer baldigen Lösung entgegen gehe, weil die Entwicklung der auf dieselbe speziell Bezug habenden Wissenschaften in einer Richtung erfolgt, die wenig geeignet ist, zu dieser Lösung beizutragen. Wegen der eminenten Bedeutung dieser Frage darf es aber gerade der Vegetarier, der schon einen entschiedenen Standpunkt in Betreff derselben einnimmt, nicht unterlassen, auf dieselbe immer wieder zurückzukommen. Der Vegetarismus lässt sich von den verschiedensten Gesichtspunkten aus begründen, so von dem philosophischen, religiösen, sozialen, historischen Gesichtspunkte aus; aber alle auf Philosophie, Ethik usw. sich stützenden Beweisführungen sind nicht beweiskräftig genug, um unsere Gegner zu überzeugen. Selbst verschiedene der Biologie und Physiologie entnommene Beweise sind wegen ihrer Unbestimmtheit von wenig Wert. Wer den Vegetarismus aus dem Zahnbau des Menschen, aus dem Verhältnis der Darmlänge zur Körperlänge und ähnlichen Beweisen begründen will, richtet damit gar nichts aus. Für jeden gesunden Menschenverstand ist freilich der Zahnbau des Menschen ein beweiskräftiges Moment; unsere Gegner sind aber derartig verschroben, dass sie oft gerade den Zahnbau des Menschen als Argument gegen den Vegetarismus in's Feld führen. Wir werden daher in den folgenden Zeilen den Vegetarismus hauptsächlich vom rein physiologischen Standpunkte aus zu begründen suchen. Weil nämlich von gegnerischer Seite die in das Gebiet der Physiologie der Ernährung fallende Frage des Eiweissbedarfs*) stets in den Vordergrund gestellt und behauptet wird, dass an dieser der Vegetarismus scheitere, so ist es durchaus geboten, diese Frage mit der grössten Ausführlichkeit zu erörtern und unsere Gegner möglichst mit ihren eigenen Waffen zu schlagen, d. h. sie mit den Resultaten ihrer eigenen Experimente zu bekämpfen. Es ist unsere Hauptaufgabe, die Unhaltbarkeit des wegen seiner unglücklichen Folgen gar nicht genug zu bekämpfenden Satzes von der Notwendigkeit des hohen Eiweissgehaltes der menschlichen Nahrung nach jeder Richtung hin zu erweisen. Die Frage des Eiweissbedarfs des Menschen ist das punctum saliens, der springende Punkt, von dem die einzig wahre wissenschaftliche Begründung des Vegetarismus abhängt.. Durch Männer wie Liebig, Moleschott und ihre Nachbeter ist der Satz von dem grossen Eiweissbedarf des Menschen und der wichtigen Rolle der Eiweisskörper im menschlichen Organismus zu einem Glaubensartikel geworden, der die ganze wissenschaftliche Welt bis heute vollkommen beherrscht. Solange aber dieser Satz allgemeine Geltung behält, ist eine physiologisch-wissenschaftliche Begründung der vegetarischen Lebensweise sehr schwierig, weil unsere Gegner sich immer und immer wieder darauf berufen werden, dass die eiweissreichen pflanzlichen Nahrungsmittel (wie die Leguminosen, die übrigens ganz überflüssig sind) wegen ihrer relativen Schwerverdaulichkeit dem Fleische gegenüber zurückstehen müssen und daher der Fleischgenuss vorzuziehen sei. *) Die Zusammensetzung der Eiweisskörper werden wir bald in Kürze besprechen. Manche Leser mögen glauben, die Eiweissfrage sei eine solche rein akademischer Natur, die für das praktische Leben wenig oder gar keine Bedeutung habe. Es giebt aber keinen Irrtum im Menschenleben, der von verhängnisvolleren Folgen begleitet wäre, als der Irrtum inbetreff der richtigen Ernährung des Menschen. Diese kann nur richtig sein, wenn das Verhältnis der stickstoffhaltigen (der Eiweisskörper) zu den stickstofffreien Körpern in der Nahrung richtig festgestellt ist oder doch nicht allzusehr von der Wahrheit abweicht. Würden die Menschen naturgemäss leben, so wäre freilich die Frage nach diesem Verhältnisse ziemlich oder ganz überflüssig, da bei einer reinen und naturgemäss zusammengestellten Pflanzenkost dasselbe sich von selbst ergeben würde, ohne dass wir uns den Kopf darüber weiter zu zerbrechen brauchten. Da die Menschheit aber in ihrer Gesamtheit eben nicht naturgemäss lebt, so müssen wir nachzuweisen suchen, worin der Fehler besteht, den sie hinsichtlich ihrer Ernährung begeht und dass gerade dieser Fehler hauptsächlich auf diesem unrichtigen Verhältnisse der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Bestandteilen der Nahrung beruht. Wird nämlich dem Organismus in der täglichen Nahrung zu viel Eiweiss (wobei das Uebermass des tierischen Eiweisses noch viel schlimmer wirkt als das des pflanzlichen) zugeführt, so wird derselbe allmählich überreich an stickstoffhaltigen Bestandteilen. Die notwendige und regelmässige Ausscheidung dieser Bestandteile erfolgt zum weitaus grössten Teile durch die Nieren, also durch den Harn in Form von Harnstoff. Das Ausscheidungsvermögen der Nieren aber ist an eine bestimmte Grenze gebunden; wird diesen durch eine allzu reichliche Zufuhr von Eiweisskörpern in der Nahrung zu viel zugemutet, wird also die Funktionskraft derselben dauernd in übermässiger Weise in Anspruch genommen (wie dies bei jedem Fleischesser der Fall ist), so werden sie dadurch gereizt und allmählich immer mehr entzündet, was schliesslich zur Folge hat, dass sie den Dienst fast ganz versagen. Dadurch wird die Sache aber noch viel schlimmer. Der im Uebermasse in der eiweissreichen Nahrung zugeführte Stickstoff wird nun erst recht in ungenügender Menge ausgeschieden, er muss sich daher in Form von harnsauren Salzen usw. an der einen oder anderen Stelle des Körpers ablagern, überhaupt das ganze Körpergewebe durchtränken und vergiften (Selbstgifte). Auf diese Weise entstehen nun Gicht, Podagra, Blasengries, Hämorrhoiden, Ausschlag, Auswurf, Abscesse usw.; ausserdem wird durch diese allmählich sich überall massenhaft ablagernden stickstoffhaltigen Atomkomplexe der Grund gelegt zu einem ganzen Heere von fieberartigen Krankheiten (Typhus, Lungenentzündung usw.), da das Blut und das Gewebe in einen gährungsartigen, zu fieberhaften Erkrankungen neigenden Zustand versetzt sind. Wir sehen deshalb auch gerade bei kräftig lebenden Menschen so häufig Nieren- und Lebererkrankungen und in deren Gefolge die heftigsten Fiebererscheinungen auftreten. Man kann kühn behaupten, dass 80-90% aller Krankheiten durch zu reichliche eiweisshaltige Kost hervorgerufen werden, dass insbesondere alle fieberhafte Krankheitserscheinungen die fast unmittelbare Folge des viel zu hohen Stickstoffbestandes im Organismus sind. Daraus folgt aber sofort, wie unendlich wichtig für den Menschen die Eiweissfrage ist, da von deren richtiger Lösung sein ganzes körperliches und geistiges Wohlbefinden abhängt. Auch der Vegetarier glaube nur ja nicht, dass er durch seine vegetarische Lebensweise aller Gefahr einer durch allzu eiweissreiche Nahrung bedingten Stickstoffüberschwemmung überhoben sei; denn wenn auch die Folgen des allzu reichlichen Genusses von Pflanzeneiweiss bei weitem nicht so schlimm sind, wie die des Genusses von tierischem Eiweiss, so machen sie sich doch früher oder später geltend. Ueberhaupt ist der Stickstoff dasjenige der Elemente, welches des Menschen grösster Feind genannt werden muss. Die zahlreichen Stoffe explosiver Natur, wie Schiesspulver, Dynamit, Schiessbaumwolle usw., die dem Menschen so oft Tod und Verderben bringen, ferner das ganze Heer von Giften und giftigen Verbindungen aus dem Pflanzen- und Tierreiche, sie alle enthalten Stickstoff und verdanken ihren explosiven und toxischen Charakter diesem Element. Aber nicht genug damit, dass der Stickstoff den Menschen von allen Seiten von aussen bedroht, er bringt das grösste Verderben über die Menschheit dadurch zustande, dass er in der Form von tierischem Eiweiss dem menschlichen Organismus einverleibt, denselben allmählich total vergiftet. Der heutige Mensch stirbt nicht, er tötet sich selbst (in der Form einer Stickstoffvergiftung). Selbst in der Pflanzenwelt wirkt ein geringes Uebermass von stickstoffhaltigen Verbindungen sofort schädlich; es hat sich gezeigt, dass Düngemittel, die nur ein wenig zu reich an Stickstoffverbindungen sind, schädlich auf die Ernte wirken; die Pflanzen kränkeln, sterben ab oder bringen nur geringe Erträge. Die falsche Düngerlehre von dem Stickstoffbedarf der Feldfrüchte hat schon grosses Unheil angestiftet; man begeht hinsichtlich der Ernährung der Pflanzen genau denselben Irrtum, den man hinsichtlich der Ernährung des Menschen begeht. Mittels der Hensel'schen Steinmehldüngung sind schon jahrelang die schönsten und gesundesten Ernten erzielt worden, ohne alle Zugabe von stickstoffhaltigen Bestandteilen. Nach diesen Erörterungen wird der Leser es wohl begreiflich finden, wenn in den folgenden Zeilen auf die Ermittlung des wahren Eiweissbedarfes des Menschen das grösste Gewicht gelegt, und die Lösung dieses Problems mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu erreichen gesucht wird. -------------------------------------------------------------------------------- Ueber den Zweck der Nahrungsmittel und die verschiedenen Arten derselben. Die Nahrungsmittel haben im Wesentlichen zwei verschiedene Hauptaufgaben zu lösen, die den Ernährungsvorgang bilden. Die eine Aufgabe besteht im Aufbau des Körpers und in der Erhaltung desselben, die andere in der Zufuhr der zur Unterhaltung der Kraftproduktionen des Gesamtkörpers, bezw. seiner einzelnen Organe notwendigen Spannkräfte, d. h. in der Erzeugung von Wärme, Elektrizität, mechanischer Arbeit. Diesen beiden Hauptaufgaben entsprechend, kann man nun die Nährstoffe einteilen in: 1. organbildende, stickstoffhaltige (plastische oder gewebebildende) und in 2) wärmebildende, stickstofffreie (respiratorische) Nahrungsmittel. Zur ersten Hauptgruppe, den plastischen Nährstoffen, gehören ausschliesslich die sogen. Eiweisskörper in Verbindung mit den Nährsalzen oder mineralischen Stoffen, zur zweiten, den respiratorischen, vorzugsweise die Fette und die Kohlehydrate. Die Eiweisskörper heissen auch Gewebsbildner, weil ohne sie kein Gewebe im menschlichen Organismus sich bilden kann; aber sie können auch Wärmeerzeuger genannt werden, insofern bei ihrer Zerlegung neue Körper entstehen, die neue Verbindungen eingehen, wobei teilweise Wärme erzeugt, teilweise absorbiert wird. Da jede Hauptgruppe wieder in zwei Gruppen zerfällt, so kann man sagen, dass alle Stoffe, die als Nahrung dienen, unter eine dieser vier Rubriken sich bringen lassen. Diese vier Rubriken sind demnach: die Eiweisskörper, die Nährsalze oder mineralischen Stoffe, die Fette und die Kohlehydrate. Betrachten wir nun kurz die chemische Zusammensetzung dieser 4 Rubriken von Nahrungsmitteln, um uns ein wenigstens einigermassen klares Bild von ihrer Beschaffenheit und der Art ihrer Wirksamkeit machen zu können. Eiweisskörper oder Proteïnsubstanzen (Albuminoide) werden eigentümliche Verbindungen genannt, die den wesentlichsten Bestandteil des Tierkörpers bilden und ebenso in den Pflanzen, namentlich in deren Samen enthalten sind. Ihre Konstitution liegt noch sehr im Dunkeln; da sie weder flüchtig, noch krystallisierbar sind und Verbindungen in bestimmten Verhältnissen nur schwer eingehen, so ist ihre Untersuchung mit grossen Schwierigkeiten verknüpft. Man weiss nur, dass sie alle Kohlenstoff (52 bis 54%), Wasserstoff (gegen 7%), Stickstoff (13 bis 16%), Sauerstoff (21 bis 26%) und Schwefel l bis 1,6%) enthalten. Sie verbreiten beim Erhitzen den Geruch brennender Haare oder Federn und hinterlassen eine Asche, deren hauptsächlichster Bestandteil Calciumphosphat ist. In freier Luft und feuchtem Zustande gehen sie rasch in Fäulnis über und entwickeln dabei Ammoniak, Ammoniumsulfid, Kohlensäure, flüchtige fette -Säuren, Amine oder Stickstoffbasen usw. Es giebt zahlreiche Arten von Eiweisskörpem; die für uns wesentlich inbetracht kommenden sind das Albumin, Fibrin, Myosin und Caseïn, die alle im Tierkörper vorkommen. Die Eiweisskörper des Pflanzenreichs besitzen grosse Aehnlichkeit mit denen des Tierkörpers, ohne jedoch vollkommen identisch mit ihnen zu sein. Kleber kommt in allen Getreidearten vor und setzt sich aus zwei verschiedenen Stoffen zusammen, welche Pflanzenleim und Pflanzenfibrin genannt werden. Pflanzenalbumin kommt in den meisten Pflanzen in Lösung vor und scheidet sich beim Kochen aus. Pflanzencaseïn oder Legumin tritt hauptsächlich in dem Samen der Hülsenfrüchte auf. Es dürfte überflüssig sein, auf die chemische Zusammensetzung aller dieser Arten von Eiweisskörpem näher einzugehen, da sie sich sehr wenig von einander unterscheiden und ihre Konstitution noch sehr dunkel ist. Die Nährsalze, die beim Aufbau des tierischen Körpers hauptsächlich in Betracht kommen, sind die Kalk-, Natron-, Kali-, Magnesia- und Eisensalze, die durch Verbindung von Kalk, Natron usw. mit Phosphorsäure, Kohlensäure, Schwefelsäure, Kieselsäure usw. entstehen. Besonders Eisen, Phosphor und Kalk spielen eine wichtige Rolle im tierischen Organismus. Obwohl nun das Eisen z. B. in fast allen Gewebsarten vorkommt, darf man doch nicht glauben, dass dasselbe in grossen Massen in ihnen vorhanden sei. Das Blut ist bekanntlich reich an Eisen, und doch kommen auf 1000 gr. Blut beim Menschen nur 0,56 gr. Eisen, beim Rinde 0,51 gr.; dasselbe gilt von den meisten anderen mineralischen Bestandteilen. So wichtig und unentbehrlich nun auch diese Salze für den Aufbau des Organismus sind, so ist demnach doch ihre Gesamtmasse im Vergleich zum Gesamtgewicht des Körpers verhältnismässig klein; nur phosphorsaurer und kohlensaurer Kalk machen hiervon eine Ausnahme, insofern die Knochenmasse des Körpers ziemlich beträchtlich ist. Alle diese mineralischen Stoffe kommen in den Pflanzen und in ihren Samen vor. Durch den Genuss von Pflanzenkost sind wir also imstande, den Bedarf an mineralischen Stoffen vollständig zu decken, wenn wir nicht in zu einseitiger Weise nur von dem einen oder anderen pflanzlichen Nahrungsmittel leben. Die eine Pflanze, bezw. ihr Samen enthält mehr von den einen die andere mehr von den anderen Nährsalzen, und durch passende Kombination dieser pflanzlichen Nahrungsmittel können wir unseren Bedarf an diesen Salzen mehr wie hinreichend decken. Die Natur hat eben alles vorgesehen, und wir brauchen bei reiner Pflanzenkost viel weniger ängstlich uns nach der Deckung unseres Nährsalzbedarfes umzusehen, als bei vorwiegendem Fleischgenusse, wie wir später sehen werden. Dadurch, dass wir dem Organismus täglich eine gewisse Menge von Eiweiss, Fett und Kohlehydrate zuzuführen gezwungen sind, führen wir ihm auch zu gleicher Zeit die nötigen Nährsalze zu, da diese letzteren stets in Verbindung mit den ersteren in den Pflanzen und ihren Samen auftreten. Nur in dem Falle, wo jemand seinen Nahrungsbedarf durch künstlich hergestelltes reines Eiweiss, reines Fett und reine Kohlehydrate, wie Zucker und Stärkemehl, decken wollte, würde er auch seinen Nährsalzbedarf besonders decken müssen. Dieser Fall kommt aber in praxi kaum vor. Es blieben noch Wasser und Luft zu erwähnen als zwei zu dieser Gruppe der mineralischen Bestandteile gehörige Körper. Doch wollen wir nicht näher auf sie eingehen, trotz ihrer hohen Bedeutung für die tierische Existenz, da die meisten Leser wohl diese Bedeutung zu würdigen wissen. Die Fette (Tier- und Pflanzenfette) bestehen zum grössten Teile aus Glyzerinäthern (Monacetin, Diacetin, Triacetin, dicke ölige Flüssigkeiten), aus der Palmitin-, Stearin-und Oelsäure. Die reinen, natürlichen Fette enthalten nur Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff; sie sind ein Gemisch einfacher Fette. Der Sauerstoff ist in den Fetten in relativ geringer Menge enthalten und darauf beruht ihr hoher physiologischer Wert; es kann sich eben deshalb beim Verbrennen um so mehr Sauerstoff mit ihnen verbinden, wodurch mehr Wärme, also mehr Spannkraft entwickelt wird. Die im tierischen Körper vorkommenden Fette können dreifachen Ursprungs sein; sie können 1) direkt von den in der Nahrung enthalten gewesenen, fertig gebildeten Fetten herrühren; 2) aus den in Fett umgewandelten Kohlehydraten stammen; 3) aus der Zerlegung der Eiweisskörper der Nahrung entstehen. Obwohl also der Organismus aus den unter 2) und 3) genannten Quellen seinen Fettbedarf decken kann, scheint es doch zweckmässig, ihm direkt in der Nahrung etwas Fett zuzuführen, was durch den Genuss der zahlreichen Nussarten sich leicht erreichen lässt. Die Fette werden bei starker Arbeitsleistung oder bei fieberhaften Zuständen des Körpers rasch aufgezehrt; sie verwandeln sich dabei nach einer Reihe von Zwischenstufen, deren Natur wir noch nicht genauer kennen, in Kohlensäure und Wasser und entwickeln eine reichliche Wärmemenge, die der Organismus als Spannkraft verwendet. Die Kohlehydrate bilden eine Gruppe von Verbindungen, welche ebenso wie die Fette, aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestellen. Diese beiden letzteren Elemente sind in ihnen in demselben Verhältnisse enthalten, wie im Wasser (also auf 2 Atome Wasserstoff ein Atom Sauerstoff). Kohlehydrate sind im Pflanzenreiche allgemein verbreitet und bilden für Menschen und Tiere hochwichtige Nahrungsmittel. Man kann sie in 3 Gruppen einteilen: Erste Gruppe Zweite Gruppe Dritte Gruppe C12 H22 O11 O6 H12 O8 C6 H10 O5 Rohrzucker oder Saccharose, Milchzucker oder Laktose, Melitose Maltose etc. Traubenzucker oder Dextrose, Fruchtzucker oder Lävulose, Galaktose etc. Stärkemehl Glykogen Dextrin Gummiarten Cellulose etc. Die Körper der dritten Gruppe werden im tierischen Organismus in Zucker verwandelt, der durch seine Oxydation die Quelle der Muskelkraft bildet. Die Kohlehydrate, welche am Organaufbau nur wenig beteiligt sind, entwickeln also neben den Fetten die grösste Summe von verwendbaren Spannkräften; sie sind daher vorzugsweise als die Kraft und Wärme erzeugenden Nahrungsstoffe zu betrachten. Da sie, wie die Fette, nur aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen, also keinen Stickstoff enthalten, so werden sie im Gegensatze zu den stickstoffhaltigen Eiweisskörpern, deren eigentliche Aufgabe nur im Aufbau und in der Erhaltung des Körpers (in Verbindung mit den Nährsalzen) besteht, auch stickstofffreie Nahrungsstoffe genannt. Mit Rücksicht auf den Zweck, den die verschiedenen Nahrungsstoffe haben, können wir also zwei Hauptgruppen von Nahrungsmitteln unterscheiden. Zur ersten Gruppe gehören alle diejenigen, welche sich am Organaufbau und am Ersatz der allmählich sich abnutzenden Organe wesentlich beteiligen; es sind dies also die Eiweisskörper und die Nährsalze. Zur zweiten Gruppe gehören alle diejenigen Stoffe, in welchen Spannkräfte gebunden sind, die der Organismus durch chemische Prozesse frei machen kann; es sind dies die Fette und Kohlehydrate, also die stickstofffreien Nahrungsstoffe. Beim Freimachen der Spannkräfte spielt der Sauerstoff die Hauptrolle, indem er, durch die Lungenbläschen mit dem Blute in Berührung tretend, durch Oxydation Wärme und Spannkraft erzeugt. Die Eiweissstoffe eignet sich der tierische Körper auf dem Wege der Verdauung aus dem Pflanzenreiche an; sie sind die höchsten Produkte des vegetativen Lebens der Pflanzen und bilden die Vorstufe des tierischen Protoplasmas, jenes belebten Stoffes, an welchen das tierische Leben direkt geknüpft ist. Die Eiweisskörper der Pflanzen erreichen also durch den Lebensprozess die höchste Stufe der Entwicklung. Haben sie diese erreicht, so beginnt aber auch schon ihre rückschreitende Umwandlung, ihre chemische Zerlegung und Spaltung; diese führt zu Zersetzungsprodukten, welche aus dem Körper ausgeschieden werden müssen, nachdem sie noch ihren grösseren oder kleineren Betrag von Spannkraft in Form von Wärme zur Leistung von innerer oder äusserer Arbeit abgegeben haben. Doch ist dieser Betrag klein zu nennen im Vergleiche mit jenem, welchen die Nahrungsstoffe der zweiten Hauptgruppe, die Fette und Kohlehydrate, im tierischen Lebensprozess zu entwickeln berufen sind. -------------------------------------------------------------------------------- Die Verdauung. Nach den vorstehenden kurzen Erörterungen über den Zweck der Nahrungsmittel und ihre verschiedenen Arten wollen wir nun auch noch den Verdauungsvorgang kurz berühren; näher auf die mit der Verdauung verknüpften, zum grössten Teile noch dunklen Vorgänge einzugehen, liegt nicht im Zwecke dieses Büchleins. Der ganze Verdauungsapparat ist als ein Kanal oder Schlauch aufzufassen, der mit der Mundöffnung beginnt und mit dem After endet. Seine Länge beträgt etwa das Sechsfache der Körperlänge. Zweck der Verdauung ist die Bereitung neuen Blutes. Die Verdauung beginnt schon im Munde, sobald während des Kauens der Speisen die Speicheldrüsen eine dünne, wässerige Flüssigkeit abzusondern beginnen, die einen Stoff, Ptyalin genannt, enthält, der imstande ist, Stärke in Traubenzucker umzuwandeln. Daraus geht sofort die Wichtigkeit des guten Kauens und der damit verbundenen Einspeichelung jedes Bissens hervor. Der so vollständig zerkleinerte und eingespeichelte Bissen gelangt nun mittels einer Schlingbewegung durch die Speiseröhre in den Magen, jene grösste unter dem Zwerchfell in der Bauchhöhle liegende Erweiterung des Verdauungskanals. Durch den Mageninhalt werden die Drüsen der Magenwände zu reichlicher Absonderung des Magensaftes angeregt. Derselbe, fast wasserhell, enthält neben einer nur geringen Menge freier Salzsäure einen eigentümlichen organischen Stoff, Pepsin genannt; derselbe besitzt die wichtige Eigenschaft, Eiweisskörper aufzulösen. Die auf diese Weise entstandene Lösung eines Eiweisskörpers nennt man Pepton; Peptone haben fast stets dieselben Eigenschaften, von welcher Art von Eiweisskörpern sie herrühren mögen. Von letzteren unterscheiden sie sich wesentlich durch ihre ausserordentliche Löslichkeit und die Fähigkeit, durch die Poren tierischer Membranen zu dringen. Vermöge ihrer Diffusionsfähigkeit, die eine grosse Rolle bei der Aufsaugung oder Resorption der Nahrung im Darmkanale spielt, können sie durch die dünnen Wände der Schleimhäute und der Chylusgefässe dringen und resorbiert werden. Genau dasselbe gilt von dem Zucker gegenüber der Stärke. Zucker ist leicht löslich und diffundirbar, während Stärke im Wasser nur aufquillt und nicht durch die Poren von Membranen geht. Daher wird die Stärke erst durch ihre Umwandlung in Zucker resorptionsfähig. Der Magensaft übt keine Wirkung auf Fett aus, ebenso auch nicht auf Stärke. Er löst wohl die tierischen oder pflanzlichen Gewebe, in welche das Fett eingebettet ist, auf und macht es frei, verändert es aber sonst nicht. Durch zu saure Reaktion des Magensaftes wird die oben hervorgehobene Wirkung des Ptyalins, die Umwandlung der Stärke in Zucker, gehemmt. Der Magensaft soll also nicht zu sauer reagieren, was indessen bei den entschiedenen Fleischessern der Fall ist; deshalb pflegen auch diese im allgemeinen die Stärkemehl- und zuckerhaltigen Nahrungsmittel nicht zu lieben. Neben der eben kurz geschilderten chemischen Thätigkeit des Magens ist nun auch noch seine mechanische Thätigkeit hervorzuheben. Sobald Speisen in den Magen gelangen, üben sie einen Reiz auf die Nerven desselben aus, die nun die Muskeln der Wände zu einer wurmförmigen Bewegung anregen; dadurch wird der Mageninhalt beständig umhergerollt und innig mit dem Magensafte vermischt. Auf diese Weise erhält derselbe eine breiartige Konsistenz und wird nun Speisebrei oder Chymus genannt. Ein Teil dieser Flüssigkeit, soweit sie aus Peptonen und Zucker besteht, wird sogleich aufgesogen; sie tritt durch die zahlreichen Magengefässe in den Blutstrom über, welcher durch die Magenvenen zur Pfortader strömt. Der übrige Teil wandert durch den Pförtner in den Zwölffingerdarm oder das Duodenum, nachdem er 2-6 Stunden im Magen verweilt hat. Im Duodenum beginnt nun die Darmverdauung, die eine Portsetzung der Magenverdauung ist. Mit letzterer ist also das Verdauungsgeschäft noch lange nicht beendigt, sondern es beginnt erst jetzt der wichtigste Teil desselben. Der Darmkanal zerfällt in 2 Hauptabteilungen, den Dünndarm und den Dickdarm; letzterer hat einen weit grösseren Durchmesser, als ersterer, was den Gegensatz in der Bezeichnung beider begründet. Den Dünndarm teilt man weiter ein in das Duodenum oder Zwölffingerdarm, das Jejunum oder Leerdarm und das Ileum oder Krummdarm. Eine natürliche Grenzlinie zwischen diesen Abteilungen giebt es indessen nicht. Das Duodenum schliesst sich unmittelbar an den Magen an; es ist gekrümmt und in Form einer Schlinge an die Rückwand der Bauchhöhle befestigt. In dieser Schlinge steckt der Kopf der Bauchspeicheldrüse. Da das Ileum oder der Krummdarm nicht breiter ist, als das Jejunum und Duodenum, so erfolgt der Uebergang aus dem Dünndarme zum Dickdarme plötzlich. Die Uebergangsstelle, also die Oeffnung des Dünndarms in den Dickdarm, ist mit hervorstehenden Lippen oder Klappen versehen, welche in den letzteren hineinragen und dadurch den Uebergang von Stoffen aus diesem in den Dünndarm unmöglich machen, dagegen den Uebergang in umgekehrter Richtung gestatten. (Ileocoecalklappe.) Unterhalb dieser Lippen findet sich eine blinde Erweiterung, welche Coecum oder Blinddarm genannt wird; von diesem zweigt sich ein blinder Gang ab, welcher der wurmförmige Fortsatz des Coecums genannt wird. Der erste Teil des Dickdarms, das Colon oder Grimmdarm genannt, ist aufwärts gerichtet (das aufsteigende Colon), er setzt sich dann, eine plötzliche Wendung machend, in rechtem Winkel nach (links fort (das querlaufende Colon) und steigt schliesslich, plötzlich wieder umbiegend, an der linken Seite der Bauchhöhle (das absteigende Colon) bis zur Mittellinie des Körpers, abwärts wo er in den Mastdarm übergeht, jenen Teil des Dickdarms, der sich nach aussen öffnet. Der Dickdarm hat eine Länge von circa 1 1/2 m. Die Schleimhaut des ganzen Darmkanals ist mit einer Menge kleiner, schlauchförmiger Drüsen bedeckt, welche den Darmsaft absondern und in den Darm ergiessen. Man unterscheidet im Zwölffingerdarm drei verschiedene Arten von Drüsen, die Lüberkühn'schen Drüsen, die Brunner'schen Drüsen und noch eine Art von Drüsen, die sich am oberen Ende des Duodenums befinden und eine dem pankreatischen Saft (Bauchspeichel) ähnliche Flüssigkeit absondern. Eigentümliche Gebilde des Dünndarms sind die Valvulae conniventes, auf der Schleimhaut sitzende Querfalten, welche die Oberfläche des Darms verdicken. Auf ihnen befinden sich die Villi oder Zotten (Drüsen), fadenähnliche, ausserordentlich Meine Fortsätze der Schleimhaut, welche dicht zusammengedrängt stehen, wie die Haare eines Sammtgewebes. Jede Zotte enthält in ihrem Innern ein Milchsaftgefäss und ist mit einem Epithelium bekleidet. Die Milchgefässe werden von einem Netze von Haargefässen umhüllt, welches aus den zuführenden Arterien und abführenden Venen besteht. Diese Arterien erhalten ihr Blut fast unmittelbar aus der Aorta (der grosse Stamm oder die Arterie, die direkt von der unteren Abteilung der linken Hälfte des Herzens ausgeht), während die Venen dieses durch die Darmhaargefässe gegangene Blut in die Pfortader treiben. Der Darm ist mit einer Muskelschicht umgeben, deren Fasern in Längs- und Kreisfasern angeordnet sind; die letzteren ziehen sich, eine nach der anderen, zusammen, sodass die tiefer liegenden (dem After näheren) ihre Zusammenziehung später beginnen, als die oberen, dem Pförtner näher gelegenen. Dadurch entsteht die sogen, peristaltische Zusammenziehung des Darms, welche ein stetiges Fortschieben der in ihm befindlichen Massen bewirkt. Die Lüberkühn'schen Drüsen sondern den eigentlichen Darmsaft ab; die spezielle Wirkung der Brunner'schen Drüsen ist noch unbekannt. Im allgemeinen kann man sagen, dass der Darmsaft die Fähigkeit besitzt, Eiweisskörper zu peptonisieren d. h. in die leicht lösliche Form überzuführen und Stärke in Zucker zu verwandeln, obgleich letzteres nur in geringem Grade. Der aus dem Magen in den Darm tretende Speisebrei oder Chymus ist schwach sauer; er besteht hauptsächlich aus den fast vollständig aufgelösten aber noch nicht gänzlich peptonisierten Eiweisskörpern der Nahrung, Fettbestandteilen, Zellulose, Stärke, Chlorophyll, Membranen, Epithelien und sonstigen zum Teil unverdaulichen Massen. Die schon im Magen vollständig in Peptone verwandelten Eiweissmassen wurden auch dort schon resorbiert. Bei Eintritt in den Darm unterliegt dieses Gemisch ungleichartiger, halbverdauter Massen der Wirkung von drei Absonderungen, dem Darmsafte, dem Bauchspeichel und der Galle. Der Bauchspeichel wird von der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die Galle von der Leber abgesondert. Die Ausführungsgänge dieser beiden Organe münden gemeinschaftlich in der Mitte der Krümmung des Zwölffingerdarmes, in der Weise, dass der gemeinschaftliche Gang schräg durch die Darmwand geht; dadurch entsteht eine Art Klappe, welche dem Darminhalte den Eintritt in den Gang hinein versperrt, dagegen der Galle und dem Bauchspeichel den Uebertritt in den Zwölffingerdarm gestattet. Der Pankreassaft ist eine klare, farb- und geruchlose, fadenziehende Flüssigkeit, welche wie der Darmsaft alkalisch reagiert und erhebliche Mengen von Eiweisskörpern enthält. Er verwandelt die Eiweisskörper des Speisebreis in eine neutrale, auch alkalisch und selbst schwachsauer reagierende Flüssigkeit (Fortsetzung der im Magen begonnenen Peptonisierung), ebenso die Stärke in Zucker, zerlegt (emulsioniert) die Fette und koaguliert die Milch. Der Bauchspeichel ist also eine sehr wichtige Verdauungsflüssigkeit. Die Galle ist eine grün-gelbe, neutrale oder schwach alkalische Flüssigkeit von äusserst bitterem Geschmacke und sehr komplizierter Beschaffenheit. Sie enthält eine Menge fester Bestandteile. Auf ihre chemische Zusammensetzung hier näher einzugehen, würde uns zu weit führen, da es uns hauptsächlich auf ihre Wirkung als Verdauungsflüssigkeit ankommt. Sie wird von der Leber unausgesetzt abgesondert (l bis 1 1/2 kg. pro Tag) und sammelt sich in der Gallenblase an, von wo sie in den Zwölffingerdarm übergeht, sobald in denselben der Speisebrei des Magens übergetreten ist. Mit diesem in Berührung gekommen, schlägt sie mittelst ihrer Gallensäuren, die wegen der schwachsauren Beschaffenheit des Chymus oder Speisebreis voll zur Wirkung kommen, zunächst die unvollständig peptonisierten Eiweissmassen nieder, indem sie dieselben in harzförmige Klümpchen umformt, auf welche der pankreatische Saft rasch einzuwirken beginnt. Das Pepsin des Magens, das sich dem Speisebrei beigemischt, wird durch dieselben Säuren niedergeschlagen und in seiner Wirkung aufgehalten. Die schon vollständig formierten Peptone werden indessen weder niedergeschlagen noch verändert. Die Galle spielt ferner eine wichtige Rolle bei der Verdauung der Fette. Während ein mit Wasser getränktes, starkes Löschpapier kein Oel durchlässt, findet dies bei einem mit Galle getränkten wohl statt. In ähnlicher Weise ermöglicht sie den im Speisebrei vorhandenen Fetten den Uebertritt in die Darmzotten, nachdem sie in die Schleimhaut des Darmes eingedrungen und die Poren der Zotten erfüllt hat. Der Vorgang hierbei ist folgender. In dem Masse wie die Fettsäuren der Fette unter dem Einflüsse des pankreatischen Saftes frei werden, vereinigen sie sich mit dem Natron der Gallensalze und schlagen einen entsprechenden Teil der Glycochol- und Taurocholsäure (die an Natron gebunden, in der Galle vorkommen) nieder, welche nun mit den vorhandenen Peptonen eine Emulsion bilden. Durch die Verbindung mit dem Natron (Verseifung) gehen die Fettsäuren in einen Zustand der Löslichkeit über, der ihre leichte Resorbierbarkeit durch die Darmzotten bedingt. Nachdem auf diese Weise die freien Fettsäuren beseitigt d. h. resorbiert sind, wiederholt sich der von dem Bauchspeichel eingeleitete Verseifungsprozess von neuem und setzt sich bis zum Verschwinden aller Fette fort.*) *) Siehe A. Gautier, Chimie biologique. Paris 1892. Die Galle hat aber noch eine andere wichtige Aufgabe zu erfüllen, sie verhindert alle fauligen Gährungsprozesse innerhalb der Eingeweide. Diese Wirkung scheint hauptsächlich der in der Galle vorkommenden Taurocholsäure zuzukommen, da diese schon in einer Verdünnung von 0,2 bis 0,5% den Fäulnisprozess eines Fleischaufgusses aufhebt, ebenso wie die Alkohol- und Milchsäuregährung. Der Speisebrei ändert sich also unter der Einwirkung der drei vorhin beschriebenen Verdauungsfermente immer mehr auf seinem Wege innerhalb des Dünndarms, enthält aber noch immer unverdaute Beste von Nahrungsstoffen, die nun in den Dickdarm treten. In demselben setzt sich der Aufsaugungsprozess fort. Seine Innenwand ist ebenfalls mit zahlreichen Lüberkühn'schen Drüsen besetzt, die einen ähnlichen Darmsaft absondern, wie diejenigen im Dünndärme. Durch die Aufsaugung der flüssigen Teile des Speisebreies wird derselbe wasserärmer und verwandelt sich, durch die peristaltische Bewegung des Darms fortgeschoben, allmählich in Kot. Die Flüssigkeit, die aus der Mischung des Bauchspeichels, der Galle und des Darmsaftes mit dem Speisebrei oder Chymus entsteht, wird Milchsaft oder Chylus genannt. Derselbe wird durch die Gefässe der Zotten absorbiert. Hier gelangt er in das sogenannte lymphatische Gefässsystem der Baucheingeweide, das mit den in den Zotten befindlichen Haargefässen beginnend, in kleine Lymphstämme übergeht, die sich an der Vorderseite der Wirbelsäule zu dem Brustlymphstamm vereinigen. Derselbe ergiesst seinen Inhalt, den Milchsaft, an der Vereinigungsstelle der linken Kopfvene und der linken Armvene in die sogen, linke namenlose Vene. Auf diese Weise gelangt der Chylus in den allgemeinen Blutstrom, nachdem er hei seinem Durchgange durch die Ganglien der Gekrös- oder Mesenterialdrüsen durch den Einfluss der weissen Blutkörperchen der eigentlichen Lymphe wesentliche Veränderungen erlitten hat, worauf hier aber nicht näher eingegangen werden kann. Man hat vielfach behauptet, die Magenverdauung sei zum Teil der Einwirkung der Bakterien des Magens zuzuschreiben. A. Gautier hat aber festgestellt, (Chimie biolog. S. 551) dass eine vollkommene Verdauung auch ohne jedes Vorhandensein kleinster tierischer oder pflanzlicher Lebewesen stattfindet; der Magensaft ist im Gegenteil eine im hohen Masse keimvernichtende Flüssigkeit, und sollten sich bei richtiger Lebensweise im Magen überhaupt keine Mikroben vorfinden (man hat im leeren Magen der Fleischesser bis jetzt an 16 verschiedene Arten von Mikroben entdeckt). Hayem und Winter haben gefunden, dass der normale und aktive Magensaft des Menschen ganz frei von freier Salzsäure sein kann. Hiermit haben wir den Verdauungsvorgang in groben Umrissen gezeichnet. -------------------------------------------------------------------------------- Der Eiweissbedarf des Menschen. Schon seit längerer Zeit gilt der Satz als Dogma, dass der erwachsene arbeitende Mensch täglich im Minimum 118 gr. Eiweiss in der Nahrung zu sich nehmen müsse, und ausserdem noch eine bestimmte Menge von Fett und Kohlehydraten erforderlich sei. Jedoch ergehen Versuche, die von verschiedenen Physiologen in den jüngsten Jahren angestellt wurden, dass die untere Grenze des Eisweissbedarfs doch wohl viel tiefer liegen könne, mit anderen Worten, dass dieser Bedarf sehr viel kleiner sein möge, als man bisher auf Grund der Untersuchungen der bedeutendsten Physiologen angenommen hat. Wenn man aber die Art und Weise betrachtet, in welcher die Untersuchungen vorgenommen wurden und die Versuchspersonen berücksichtigt, an denen sie vorgenommen wurden, so kann man mit Fug und Recht behaupten, dass solche Untersuchungen fast gar keine Beweiskraft besitzen, und dass also jene untere Grenze des Eiweissbedarfs des Menschen, d. h. der Minimalgehalt an Eiweiss in der täglichen Nahrung noch garnicht festgestellt ist. Gerade darauf aber kommt es an. Man verfährt bei der Untersuchung dieser Frage stets in der Weise, dass einem Menschen, der bisher eine in der Regel viel zu grosse Menge Eiweiss in seiner Nahrung zu sich genommen, eine gewisse Eiweissmenge zugeführt und beobachtet wird, in wie weit er dabei im sogenannten Stickstoffgleichgewicht bleibt. Nun scheidet ein solcher Mensch, wenn ihm auch weniger Eiweiss zugeführt wird, als er bisher täglich einzunehmen pflegte, mehr Stickstoff aus als in der Nahrung zugeführt wird; folglich verliert der Körper Eiweiss, setzt dagegen bei genügendem Gehalt der Nahrung an Fett und Kohlehydraten etwas Fett an. Diesen Verlust des Organismus an Eiweiss glaubt man nun durchaus vermeiden zu müssen, fügt also der Nahrung mehr Eiweiss zu, bis wieder das sog. Stickstoffgleichgewicht hergestellt ist. Auf diese Weise kann man nun wohl den Eiweissbestand des Körpers fortwährend variieren lassen, ihn sozusagen abwechselnd auf verschiedene Höhe, auf ein anderes Niveau bringen (und zwar gilt dies sowohl für das Organeiweiss als für das zirkulierende Eiweiss), aber damit ist absolut nichts gesagt über den wirklich nötigen Eiweissbestand, bei dem der Körper existieren kann und sich am wohlsten und gesundesten fühlt. Um diesen festzustellen, müsste man folgendermassen verfahren. Die betreffende Versuchsperson (ob Fleischesser oder Vegetarier ist zunächst gleichgültig) erhalte neben einer genügenden Menge Fett und Kohlehydrate eine bestimmte Eiweissmenge in ihrer täglichen Nahrung. Dieselbe wird nun, je nach ihrer früheren Lebensweise, mehr oder weniger Stickstoff ausscheiden, als in der zugeführten Eiweissmenge enthalten ist. Lässt man im ersten Falle die tägliche Eiweissgabe allmählich immer kleiner werden, so wird auch die ausgeschiedene Stickstoffmenge allmählich abnehmen. Doch nur bis zu einer bestimmten Grenze. Es ist nämlich ein Fundamentalsatz, der für die ganze organische Welt Geltung hat, dass jeder Organismus solche Stoffe, deren er dringend bedarf, mit eiserner Gewalt festhält. Also muss ein Zeitpunkt eintreten, wo der Organismus anfängt, weniger Stickstoff auszuscheiden, als er in der Nahrung aufnimmt. Damit ist aber jene untere Grenze des Eiweissbedarfs angedeutet, bei dem der Organismus noch bestehen kann. Gerade der Umstand, dass der menschliche Organismus bei solchen Versuchen mit eiweissärmerer Nahrung in der Kegel mehr Stickstoff ausscheidet, als ihm in der Form von Eiweiss zugeführt wird, beweist eben, dass ihm früher zu viel Eiweiss, beziehungsweise Stickstoff zugeführt wurde; es hat sich im Organismus zu viel Stickstoff angesammelt, die Höhe des gesammten Eiweissbestandes ist zu gross geworden, weshalb der Organismus bei der ersten Gelegenheit, die sich ihm bietet, diesen überflüssig hohen Stand herabzusetzen sucht. So führt Prof. Voit in seinem Handbuch des Stoffwechsels (Seite 107) an, dass zu einer Zeit, in der die Verdauung noch im vollen Gange ist, schon mindestens die Hälfte des im Magen aufgenommenen Eiweisses zerstört und der Stickstoff desselben aus dem Körper ausgestossen ist; er sah bei einer Versuchsperson nach einer reichlichen, aus Fleisch und Eiern bestehenden Mahlzeit die Stickstoffausscheidung im Harne schon nach einer Stunde zunehmen und diese Zunahme der Ausscheidung dauerte 7 Stunden lang, wo sie ihr Maximum erreichte, um in den nächsten 10 Stunden allmählich abzunehmen. Aehnliche Resultate erzielten Panum, Feder und Hirschberg. Dieser Vorgang, sagt Dr. Hirschfeld in seiner Abhandlung: Untersuchungen über den Eiweissbedarf des Menschen (Archiv für die ges. Physiologie 1887 Seite 533 ff.) macht durchaus den Eindruck, als ob der Organismus bei der Eiweisszersetzung nur im Auge habe, sich der stickstoffhaltigen Atomcomplexe möglichst rasch zu entledigen. Damit hat in der That Dr. Hirschfeld den Nagel auf den Kopf getroffen, denn der tierische Organismus sucht stets, wie schon bemerkt, alles festzuhalten, wessen er bedarf (abgesehen von krankhaften Zuständen, die hier aber nicht in Betracht kommen), und wenn er Stickstoff sofort nach der Mahlzeit auszuscheiden beginnt, so beweist das eben, dass ihm Stickstoff in viel zu reichem Masse geboten worden. Die Natur treibt keinen unnötigen Luxus, wohl aber der Mensch in seinem Unverstände. Deshalb sind auch die Heischesser auf das Kochsalz so versessen, weil sie instinktiv fühlen, dass sie eines Mittels bedürfen, das die Ausscheidung des überflüssigen Stickstoffs begünstigt. Nun sagt v. Voit hierüber: »Das Kochsalz macht die Saftströmung im Organismus infolge seiner physikalischen Eigenschaften stärker, vermehrt so die Oxydation des Eiweisses und dadurch die Menge des Harnstoffs". Aus diesen Worten gewinnt man wieder unwillkürlich den Eindruck, als sei es eine Hauptaufgabe des Organismus, möglichst viel Harnstoff auszuscheiden, während es doch viel richtiger wäre, darauf hinzuweisen, dass man nicht zuviel Stickstoff in Form von Eiweiss in der Nahrung zu sich nehmen soll, um nicht zu viel Stickstoff wieder ausscheiden zu müssen und dadurch dem Organismus eine ganz überflüssige Arbeit aufzubürden. Eigentlich bedarf es gar keiner sogen, wissenschaftlichen Experimente, um festzustellen, welche Menge Eiweiss in der täglichen Nahrung absolut nötig ist. Die Natur macht uns jeden Tag zahlreiche Experimente vor, die wir nur richtig auszulegen brauchen, um die wichtigsten Schlüsse aus ihnen zu ziehen. Betrachten wir z. B. den gewöhnlichen Feldhasen. Jedem richtigen Weidmann ist bekannt, dass die Knochen des Hasen ausserordentlich fest und hart sind, er duldet daher nicht, dass Hasenknochen seinen Jagdhunden vorgeworfen werden, weil diese ihre Zähne an denselben ruinieren würden. Der Hase besitzt aber nicht allein einen äusserst festen Knochenbau, sondern auch eine grosse Muskelkraft. Der englische Naturforscher Romanes hat im Schnee die Spuren eines hart verfolgten Hasen gemessen und die Spannweite eines jeden Sprunges 12-13 engl. Fuss gefunden, was jedenfalls auf eine enorme Muskelkraft der Beine eines so kleinen Tieres hinweist. Wovon lebt nun der Hase? Nun, er frisst Kohl, Rüben, Klee usw., nagt auch im Winter bei schneebedeckter Landschaft die Rinde der Bäume und Sträucher ab. Gehören denn diese Nahrungsmittel zu den eiweissreichen und kraftgebenden? Durchaus nicht, sie gehören nach menschlichen Begriffen zu den weniger kräftigen, die jedenfalls keinen Vergleich aushalten mit unseren Körnerfrüchten, mit unseren Leguminosen und noch zahlreichen anderen Produkten aus dem Pflanzenreiche. Was folgt nun aus diesen unzweifelhaft feststehenden Thatsachen? Einfach die fernere Thatsache, dass der tierische, wie auch der menschliche Organismus mit den bescheidensten Nahrungsmitteln, die weder besonders reich an Eiweiss, noch an Nährsalzen sind, sich begnügt und dabei gedeiht, ja sogar grosse Kraft und Ausdauer entwickelt. Man entgegne nicht, die Menge der Nahrung müsse die Qualität ersetzen, denn es ist in unseren nördlichen Breiten gewiss nicht anzunehmen, dass sich der Hase vom November bis März bei monatelang anhaltender Schneedecke bezüglich seiner Nahrung in einem embarras de richesse befinde. Was vom Hasen gesagt wurde, gilt für alle wild lebenden Tiere. Man denke an das wild lebende Pferd in den grossen grasreichen Ebenen Südamerikas; dasselbe hat nie in seinem Leben Hafer bekommen und doch ist es von unbändiger Kraft und Wildheit. Dies beweist auch, dass die Meinung, ein Pferd könne ohne reichliche Haferfütterung keine andauernde Kraft entwickeln, ganz falsch ist; gutes Heu in genügender Menge reicht vollständig aus, um das Pferd leistungsfähig zu erhalten. Zu reichlicher Hafergenuss führt nur zu kolikartigen Erscheinungen. Betrachten wir ferner das Kamel. Glauben etwa unsere Physiologen, dieses schwer belastete Tier nehme auf seiner oft Monate dauernden Wüstenwanderung täglich auf je 65-70 kgr. seines Körpergewichts 120 gr. Eiweiss in der elenden Nahrung zu sich, die es hauptsächlich in den Ruhestunden selbst sich suchen muss? Wären diese wirklich erforderlich, so müssten diese so überaus genügsamen und ebenso leistungsfähigen Tiere in den ersten 14 Tagen ihrer Wanderung durch die Wüste verhungern. Oder glauben ferner unsere Physiologen im Ernst, das innerhalb des Polarkreises lebende Renntier nehme auch täglich auf 65-70 kgr. seines Körpergewichtes 120 gr. Eiweiss in seiner Nahrung zu sich? Gewiss wird niemand diese Annahme machen und doch saust das Renntier stundenlang mit dem Eskimoschlitten bei bitterster Kälte über die schneebedeckten Regionen des hohen Nordens. Wir sehen also, wie von zwei in der kärglichsten Weise ernährten Tieren das eine die schwersten Lasten in der glühendsten Sonnenhitze des Südens wochenlang durch die Wüste trägt, während das andere bei der grimmigsten Kälte, den Schlitten der Eskimos ziehend, unermüdlich die trostlosen Regionen des hohen Nordens mit Windeseile durchfliegt. Also die kärglichste Nahrung genügt, um Tiere unter den ungünstigsten klimatischen Verhältnissen, die den denkbar grössten Gegensatz bieten, leistungsfähig zu erhalten. Dasselbe gilt aber auch vom Menschen. In einigen Provinzen Chinas wird die Post befördert durch Briefboten, die täglich, mit einer Last von 50 bis 60 Pfund auf dem Rücken, 80-90 Kilometer stets im Trabe zurücklegen, selbst bei der glühendsten Hitze der chinesischen Sommermonate. Der chinesische Kuli hält es in allen Breitengraden aus; er baute die Pacificbahn wie er den Panamakanal baut, er marschiert und arbeitet in der Tropensonne, ohne einen Sonnenstich zu bekommen, trotzdem sein kahlgeschorener Schädel in der Sonne glänzt, dass einem noch auf eine Entfernung von 1/4 Stunde infolge dieses Glanzes die Augen übergehen, und doch lebt dieser überaus leistungsfähige Chinese fast ausschliesslich von Reis, den unsere Physiologen für ein unzureichendes Nahrungsmittel erklären. Nun vergleiche man mit diesen Reisessern den elenden, im Trinken und Essen gleich unmässigen Europäer, der in den Tropen schon beiden geringsten Anstrengungen umfällt, entweder vom Sonnenstich getroffen oder vom Fieber darniedergeworfen, und der Unterschied wird wohl scharf genug hervortreten, desgleichen auch, auf welcher Seite der Vorteil ist. Gegen diese Betrachtungen könnte von selten unserer Gegner eingewendet werden, dass der Vergleich des Menschen mit den Tieren unzulässig sei und dass auch zwischen den einzelnen Menschenrassen Unterschiede beständen, die eine verschiedene Art der Ernährung bedingten. Aber dieser Einwand ist absolut hinfällig. Zunächst steht durchaus fest, dass der Vorgang der Verdauung und Resorption beim Menschen und Säugetier genau derselbe ist; so verdaut z. B. der Hund als Fleischfresser Pflanzeneiweiss und Kohlehydrate ebenso gut (vorausgesetzt, dass ihm diese Nahrungsmittel in hinreichend zerkleinertem Zustande gereicht werden, da er wegen seines Zahnbaues seine Nahrung nur zerreissen, aber nicht kauen kann) wie der Mensch und der Pflanzenfresser. Der Mensch kann sogar seine Nahrung im allgemeinen noch etwas besser ausnutzen, als die Tiere, weil er sie durch Mahlen, Kochen usw. in eine leichter assimilirbare Form bringt. Was die Kassenunterschiede betrifft, so ist in Bezug auf Verdauungsvermögen ein Unterschied gar nicht nachweisbar; der Magen eines gesunden Engländers wird in diesem Punkte dem Magen eines gesunden Chinesen nicht nachstehen und nicht überlegen sein, und dies gilt für alle Völker. Schreiten wir in unseren Betrachtungen weiter. Die Natur bietet uns noch ein Beispiel, das uns ein Urteil über das richtige Verhältnis der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Nahrungsmitteln ermöglicht, welches Verhältnis, wie wir gesehen haben, von so fundamentaler Bedeutung für die menschliche Gesundheit ist. Die Physiologie setzt dieses Verhältnis wie 1:5 an, d. h. in der Nahrung des erwachsenen Menschen sollen auf l Teil Eiweiss 5 Teile Kohlehydrate und Fett kommen, so dass der Arbeiter z. B. auf 100-120 gr. Eiweiss 400-480 gr. Kohlehydrate und etwa 50 gr. Fett täglich zu sich nehmen soll. (Das Nährwertverhältnis des Fettes zu den Kohlehydraten ist etwa 2:1). Nun hat uns aber die Natur in der Zusammensetzung der Muttermilch einen Anhaltspunkt gegeben zur Feststellung jenes wichtigen Verhältnisses soweit es für das wachsende Kind in Betracht kommt; wir haben nur nötig, in der Frauenmilch die Menge der in ihr enthaltenen Eiweiskörper (fast ausschliesslich in der Form von Caseïn) zu der Menge der Kohlehydrate (Zucker und Fett) festzustellen. Damit gewinnen wir allerdings zunächst nur ein Urteil über jenes wichtige Verhältnis für den wachsenden jugendlichen Organismus, nicht aber für den erwachsenen und arbeitenden Menschen. Letzteres Verhältnis lässt sich aber unter Berücksichtigung der veränderten Lebensbedingungen aus ersterem ableiten. Wir gelangen jedenfalls auf diesem Wege zu einem Grenzwerte für jenes Verhältnis für den Fall des Wachstums, des Organaufbaues, da wir annehmen müssen, dass die Natur dasselbe so geregelt hat, dass sowohl das Wachstum des Körpers als die Aufrechterhaltung der notwendigen Funktionen, wie Atmung, Verdauung usw. möglich sind. Nun beträgt nach den neuesten Bestimmungen der Gehalt der menschlichen Milch (auf 100 Teile bezogen) an Eiweisskörpern 1.0, an Fett 4.1, an Zucker 6.9, an Salzen 0.24, an Wasser 87.76.*) Berücksichtigt man, dass die Wirkung des Fettes das 2 fache derjenigen der Kohlehydrate beträgt, so entsprechen 4.1 Fett (Butter) 8.2 Kohlehydrate; diese zu den 6.9 Zucker gerechnet, ergeben 15.1 Kohlehydrate auf l Teil Eiweisskörper. Es ist also in der menschlichen Milch das Verhältnis der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Körpern wie 1:15.1 oder rund wie 1:15. Setzen wir aber wegen der nicht ganz sicheren Bestimmung des Eiweissgehaltes dieses Verhältnis zu 1:12 oder gar zu 1:10 an, so bleiben wir noch immer sehr weit von jenem oben angeführten Verhältnis 1:5 entfernt. Nun ist noch der folgende wesentliche Punkt zu berücksichtigen. Die Muttermilch ist für das Kind während seines ersten Lebensjahres bestimmt, d. h. für ein im starken Wachstum begriffenes Wesen; zu diesem Zwecke ist jedenfalls ein relativ reicher Gehalt an Eiweisskörpern und Nährsalzen erforderlich, da der Aufbau der Organe ausschliesslich durch diese beiden Gruppen von Nährstoffen erfolgt. Hat nun die Natur selbst in diesem Falle das Verhältnis der Eiweisskörper zu den Kohlehydraten wie 1:10 festgesetzt, so haben wir damit einen Grenzwert gefunden für den wachsenden Organismus, d. h. wir können nun behaupten, dass ein in rascher Entwicklung begriffener Organismus, der also Knochen und Knorpeln, Muskeln und Sehnen, überhaupt Körpergewebe jeglicher Art neu aufbaut, immer nur ein Teil Eiweiss auf 10 Teile Kohlehydrate braucht, möglicher Weise sogar noch weniger. Verwendet also ein im Wachstum begriffener Organismus trotz des relativ grossen Verbrauchs an Eiweisskörpern gegenüber den Kohlehydraten diese beiden Gruppen doch nur im Verhältnis von 1:10, so wird dieses Verhältnis beim Erwachsenen unbedingt noch kleiner sein müssen, also etwa 1:15 sein, d. h. die Menge des erforderlichen Eiweisses gegenüber der Menge der erforderlichen Kohlehydrate muss beim Erwachsenen noch kleiner sein als beim Kinde. Dies folgt ganz klar aus der bekannten Thatsache, dass der Stickstoffumsatz des erwachsenen Menschen bei Ruhe und Arbeit fast genau der gleiche ist und dass ein ruhender erwachsener Mensch offenbar relativ viel weniger Eiweiss und Nährsalze zur Erhaltung seines Organismus braucht, als der im lebhaftesten Stoffansatz bezw. Organaufbau begriffene kindliche Körper. Setzen wir also den Verbrauch an Kohlehydraten beim arbeitenden Manne auf 500 gr. für den Tag fest, so wird er an Eiweiss den 15. Teil dieses Gewichts, also etwa 33 gr. notwendig haben. Damit gelangen wir zu einem Werte, der fast ganz genau mit demjenigen zusammenfällt, den Dr. Hirschfeld (kein Vegetarier) in seinen Untersuchungen über den Bedarf des Menschen (siehe auch Nr. l Seite 31-32 der Vegetar. Rundsch. von 1889) gefunden hat. Er sagt dort, S. 533 ff, dass bei einem Arbeiter mit 35-40 gr. Eiweiss in der täglichen Nahrung Stickstoffgleichgewicht erreicht worden ist. *) Zwar werden in den Lehrbüchern in Bezug auf den Gehalt an Käsestoff, Zucker und Fett etwas andere Zahlen angegeben, aber obige Werte erscheinen als die neuesten und besten; jedenfalls ist der früher angenommene Gehalt an Eiweisskörpern viel zu hoch gegriffen. Ueberhaupt schwanken die Angaben über den Gehalt der Milch sehr, weil dieser Gehalt in hohem Masse von der Art der Ernährung abhängig ist, wie wir bald an einem Beispiele sehen werden. Um den weit höheren Bedarf an Eiweiss des in raschem Wachstum begriffenen Organismus gegenüber dem entwickelten in noch helleres Licht zu stellen, wollen wir die Entwicklungsverhältnisse des Kalbes betrachten Die Kuhmilch enthält fast 4 mal so viel Eiweisskörper als die Frauenmilch, dagegen ist der Gehalt an Fett und Zucker sogar noch kleiner, während wieder der Gehalt an Nährsalzen um das dreifache grösser ist. Das Verhältnis der stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien Körpern, das wir bei der Frauenmilch zu 1:10 gefunden, ergiebt sich bei der Kuhmilch zu 1:2 (annähernd). Zu welchem Zwecke hat nun die Natur diese beiden Verhältnisse so ungleich festgesetzt? Aus dem einfachen Grunde, [weil die Entwicklung des Kalbes eine 5 bis 6 mal schnellere ist als diejenige des Kindes. Das Rind ist bei kräftiger Ernährung mit 2 Jahren fortpflanzungsfähig und mit 3 Jahren vollständig ausgewachsen. Ein Kalb, das bei der Geburt 50 - 60 Pfund wiegt, wächst innerhalb 6-8 Monaten je nach der Rasse zu einem Tiere heran, das 200-250 Pfand wiegt, vorausgesetzt, dass es die Muttermilch vollständig bekommt. Eine Körpermasse von 150-200 Pfund ist also in dieser kurzen Zeit ganz aus dem Käsestoff und den Nährsalzen der Muttermilch aufgebaut worden, und dieser Umstand macht es vollständig erklärlich, dass von den beiden Verhältnissen das eine soviel mal enger gegriffen ist als das andere. Der Unterschied in der Entwicklung des kindlichen und tierischen Organismus ist auch ganz ausserordentlich; wie völlig verschieden ist die Zunahme der Körpermasse während des ersten Jahres beim Kinde gegenüber der des Rindes! Aus dieser Betrachtung folgt also, dass einer 5-6 mal rascheren körperlichen Entwicklung auch ein 5-6 mal grösserer Gehalt an Erweisskörpern und Nährsalzen in der Nahrung entsprechen muss, dass also ein grosser Eiweissgehalt nur da angezeigt ist, wo es sich um einen raschen Organaufbau handelt, dagegen ein weit kleinerer genügt, wo es sich blos um den Ersatz des durch den langsamen Stoffwechsel im ausgewachsenen Organismus bedingten geringen Verlustes handelt. Die Rolle der Eiweisskörper wird von den meisten Menschen, wofern sie sich überhaupt mit dieser Frage befassen, ganz falsch aufgefasst. Das Eiweiss soll in Verbindung mit den Nährsalzen nur zum Aufbau der Körperorgane, bezw. zu deren Erhaltung dienen (plastisches Nahrungsmittel), weshalb in letzterem Falle der Bedarf des ausgewachsenen Individuums nur ein sehr kleiner sein kann, wie wir eben gesehen. Die Physiologie behauptet zwar, das Eiweiss werde während des Verdauungsprozesses durch Spaltung zum Teil in Fett verwandelt. Abgesehen davon, dass dieser Satz noch keineswegs streng bewiesen ist, so ist es doch jedenfalls ein höchst unsinniges Verfahren, mehr Eiweiss zu dem Zwecke der Umwandlung in Fett dem Körper zuzuführen, als er sonst nötig hat zur Erhaltung der Organe; denn einerseits sind die eiweissreichen Nahrungsmittel teurer als die überwiegend Fett und Kohlehydrate enthaltenden, und andererseits muss der Verdauungsapparat in diesem Falle durch Zerlegung des schwerer verdaulichen Eiweisses eine unnötige Arbeit verrichten, indem ja dem Organismus das nötige Fett und die nötige Kohlehydrate in der leichtest assimilirbaren Form unmittelbar zugeführt werden können. Wozu also dieser Umweg in Form einer Umwandlung des Eiweisses, der doch nur eine ganz überflüssige Arbeitsleistung, die sonst anderwärts verwertbar wäre, darstellt? Es ist ja bekannt, wie die Fleischesser nach dem Genuss ihrer grossen Quantitäten von eiweissreichen Nahrungsmitteln Stunden lang an den Folgen des sogen. Verdauungsfiebers leiden und zu jeder geistigen und körperlichen Arbeit unfähig sind. Dieses Verdauungsfieber mit seinen Folgen kennt der richtige Vegetarier gar nicht. - Um die Rolle, welche die beiden Hauptnahrungsgruppen, die eiweisshaltigen und die eiweissfreien, im menschlichen Organismus spielen, zum möglichst klaren Verständnis zu bringen, diene noch folgender Vergleich, der in trefflicher Weise die Bedeutung und gegenseitige Stellung beider erläutert. Bekanntlich ist die Quelle aller menschlichen Arbeitskraft die im Körper stattfindende Verbrennung der Nahrungsstoffe. Hierbei kommen aber fast nur die Kohlehydrate und die Fette als Brennmaterial in Betracht. Ganz das Gleiche gilt von der Dampfmaschine. Auch im dieser bildet die durch Verbrennung von Kohlenstoff erzeugte Wärme die alleinige Quell ons@ |
|||
|
09.06.2008, 22:27
Post: #4
|
|||
|
|||
|
Dr. med. O. Buchinger
Vegetarier-Bund Deutschlands e.V.
Vegetarismus und Wissenschaft Dr. med. O. Buchinger Wenn man den Menschen mit allen bekannten Säugetiergruppen der Welt vergleicht und sucht nun, wohin er nach seinem Körperbau gehört, so ist seine Zugehörigkeit zu den höheren Affen, den Anthropoiden, den Menschenaffen, keinem Zweifel unterworfen. Zu den Fleischfressern, den Carnivoren (Löwe, Wolf, Iltis usw.) kann er nicht gehören, zu den Allesfressern, den Omnivoren (Dachs, Schwein, Bär usw.) ebenfalls nicht. Aber auch die Krautfresser, die Herbivoren (Rind, Pferd, Schaf usw.) unterscheiden sich vergleichend-anatomisch ebenso ungeheuer vom Menschen wie die beiden vorher genannten großen Tiergruppen. Nun bleiben nur noch die Fruchtfresser, die Frugivoren übrig. Und da erst ruft die biologische Urheimat, der „Garten Eden", die tropische Fruchtfülle, in der des Menschen Wiege gestanden haben muß und wo er mit seinen niederen Verwandten die Erfüllung seiner Daseinsbedingungen fand. Der frugivore Menschenaffe ist dem Menschen nicht nur „ein Gelächter und eine schmerzliche Scham" (Nietzsche), sondern auch - ein lieber Blutsverwandter. Wenn noch einer trotz des Zeugnisses der anatomischen und paläologischen Fachwissenschaft (Cuvier, Haeckel, Roehrig, Steinmann, Huxley, Wiedersheim u. a.) an dieser Tatsache zweifelt, dann wird ihn vielleicht die Uhlenhutsche Blutprobe zum Schweigen bringen. Humanisiertes Kaninchenserum erzeugt nämlich die sogenannte Fällung-Reaktion im Menschenaffenblut wie im Menschenblut. Das hochintelligente Gehirn-Tier Mensch vermochte sich aber nur den furchtbaren chronischen Katastrophen der Eiszeit anzupassen unter notgedrungenem Abweichen von seinen eigenen Lebensgesetzen. Dabei gewann dieses Geschöpf in harter Schule die ganze Welt. (Uraltes Wissen raunt: daß sich dann mit diesem Menschentier erst der Geistmensch, der lichte Sohn Gottes verband - in tiefem Fallen.) Aber diese Welteroberung war doch auch wieder teuer bezahlt. Der Abweg aus der biologischen Urheimat, der frugivoren, in die „Fremde" des Omnivorismus (zum Treber fressenden Omnivoren Schwein) kostete den Menschen unter vielem anderen auch die Hälfte seines biologischen Alters. Das Alter eines Säugetieres ist zu errechnen, wenn man die Jahre bis zum vollendeten Wachstum mit der Zahl sieben multipliziert. Ein Pferd z. B. wächst drei Jahre; mal sieben macht einundzwanzig. Ein Hund wächst zwei Jahre; mal sieben macht vierzehn. Der Mensch wächst einundzwanzig Jahre; mal sieben macht 147 Jahre. Ein interessantes Kapitel, über das noch viel zu sagen wäre! Aber wir bewegen uns hier auf einem ausgesprochenen Grenzgebiet der Wissenschaft und flüchten uns daher schnell, um endlosen Fragen und Erörterungen auszuweichen, wieder in das Gebiet der unbestreitbaren, reinen Wissenschaft. Wenn die frugivore Natur des Menschen feststeht, dann müssen sich bei Fleischzusatz zu der Mahlzeit, also bei omnivorer Ernährung klinisch und physiologisch auch heute wie jederzeit Nachteile feststellen lassen. Nun, diese gesundheitlichen Nachteile sind tatsächlich festgestellt worden. Nach Fleischgenuß wird eine Müdigkeit beobachtet, die bei fleischloser Kost fehlt. Nach Fleischgenuß wird eine Temperaturerhöhung des Blutes beobachtet, die bei vegetarischer Kost fehlt. Nach Fleischgenuß erfolgt eine Vermehrung der weißen Blutkörperchen (Leukozythose), die beim vegetarischen Kontroll-Falle fehlt. Nach Fleischgenuß erhöht sich der Klebrigkeits- (Viskositäts-)Grad des Blutes, was bei ausreichender rein vegetarischer Kost nicht der Fall ist. Nach Fleischgenuß vermindert sich dieAlkalität des Blutes, während sie bei der vegetarischen Kontroll-Mahlzeit sich nicht vermindert. Diese Feststellungen stammen von einem bekannten und sehr angesehenen Schweizer Kliniker (Prof. Dr. Staehlin) und fanden sich (wenig beachtet!) in der maßgebenden medizinischen deutschen Fach-Presse. Sehr interessant ist es nun, festzustellen, daß wir hier, in diesen fünf Symptomen (Müdigkeit, Temperatur-Erhöhung, Leukozythose, Viskosität, Alkalitäts-Verminderung) fast genau und in allen wesentlichen Zügen die natürliche Abwehr-Reaktion des menschlichen Organismus wiederfinden, die auf Einbruch einer feindlichen Macht (Infektion, Fremdkörper usw.) regelmäßig zu erfolgen pflegt. Darum ist auch der Analogieschluß durchaus berechtigt, daß der tote Tierkörper als Nahrung des Menschen „Fremdstoff" ist, eben eine unnatürliche Belastung, gegen die unser Körper sich wehrt und die er nur unter Krafteinbuße verarbeitet oder abwirft. Wenn aber unser Schluß zutreffend ist, dann müßte die Krafteinbuße auch im Leben nachweisbar sein und bei streng wissenschaftlich experimentellen Vergleichen der Leistungen von Vegetariern und Gemischt-Essern sich herausstellen. Nun, diese Versuche sind längst angestellt worden und beweisen tatsächlich die Überlegenheit der Vegetarier, oder, um es deutlicher zu sagen: die Krafteinbuße unter Gemischt-Kost. Wir nennen nur die Versuche des Univ. Prof. Irving Fisher (Yale Universität), die Ergograph-Versuche von Joteyko (Brüssel), die Erfahrungen von Prof. Baeltz mit Japan. Rikschah-Leuten*). Daß dabei auch das geringere Eiweißmaß der üblichen veget. Ernährung eine Rolle spielt, beweisen die bekannten Versuche von Prof. Chittenden. Daß mit allem bisher Gesagten auch die sehr eindeutigen Ergebnisse der großen deutschen Dauer-Wettmärsche übereinstimmen und die ganz ungewöhnlichen Marschleistungen der vegetarisch (und sehr eiweißarm!) lebenden arabischen Soldaten der ägyptischen Armee**), nimmt keinen besser Unterrichteten mehr wunder. Prägen wir uns noch einmal ein, daß die in der physiologischen, minutiösen Beobachtung ablesbaren Erscheinungen nach einer Gemischt-Kost-Mahlzeit durchaus das Bild einer leichten Vergiftung andeuten (zumal bei dem dabei üblichen höheren Eiweiß-Maß) und daß wir den Organismus in einer Abwehr-Reaktion sehen, wie beim Einbruch eines Krankheitserregers in Blut- und Lymph-Bahnen (Müdigkeit, Temperatursteigerung, Erhöhung der Leukozythenzahl, Anstieg der Säurewerte, Zunahme des Klebrigkeitsgrades des Blutes). Es ist klar, daß beim gewöhnlichen Gemischtesser in diesen Entgiftungsbemühungen des Organismus gewisse Kraftreserven ständig eingesetzt, beschlagnahmt, gebunden sind. Spart nun aber ein Mensch bei vegetarischer Kost diese für Abwehr-Mehrarbeit aufgewandten Reservekräfte, so muß die Wirkung in einer Zunahme der biologischen Wertigkeit des Organismus zutage treten. Und diese müßte sich in erster Linie in einer gewissen Hebung der Seuchenfestigkeit beweisen***). Auch das scheint durchaus zuzutreffen, wenn auch bis heute noch wenig exakt wissenschaftliche Beobachtungen vorliegen. Im Jahre 1912 erzählte mir der bekannte und tüchtige Arzt Dr. Winsch, daß die Diphtherie-Epidemien Berlins vor dem sog. Zellerhaus, in dem arme Trinkerkinder vegetarisch erzogen werden, Halt machten. Es kam trotz der gleichen Ansteckungsmöglichkeit dieser Kinder (in den Volksschulen) zu gar keiner Erkrankung oder zu ganz leichten sog. ambulanten Fällen. Dasselbe kann ich von meinen eigenen Kindern berichten. Im Jahre 1918 behandelte ich sehr schwere Diphtherie-Fälle (1 Todesfall) und beobachtete mit dem Mißtrauen und der Genauigkeit des Vaters und Arztes meine vier kleinen Kinder (von 2 bis 8 Jahren). Als ich nach einiger Zeit ein gewisses Nachlassen der Munterkeit zu bemerken glaubte und bei zweien geringe Drüsenschwellungen am Halse und hauchförmige Trübungen der leicht vergrößerten Mandeln feststellen konnte, machte ich bakteriologische Abstriche und sandte sie dem Frankfurter Laboratorium ein. Umgehend kam die Nachricht: „Diphtherie-Bazillen festgestellt!" Die Kinder waren also mit Diphtherie angesteckt. Sie waren aber kaum im Bett zu halten. Sie machten ihre „Diphtherie" mehr außerhalb des Bettes und buchstäblich „spielend" durch. Die zwei nichtisolierten anderen blieben ständig außer Bett, waren sicher „Bazillenträger" ohne Erkrankung. Es waren eben streng vegetarisch ernährte Kinder. (Sauermilch dabei und selten ein Ei). Höchstwahrscheinlich hat auch der Krebs eine ursächliche Komponente im Eiweiß-Luxus-Konsum und den Kadaver-Stoffen der üblichen Gemsicht-Kost. Als ich in den Jahren 1903 bis 1905 in Ostasien chinesische und europäische Hospitäler besuchte, fiel mir immer die Seltenheit der Krebsfälle in Kuli-Hospitälern und eine Häufigkeit in Europäer-Hospitälern auf, in denen auch reiche Chinesen lagen. Der chinesische Kuli ist fast reiner Vegetarier (Reisesser) und lebt sehr eiweißarm. Die seitherigen Darlegungen sollen uns Folgendes deutlich machen: 1. Die einfache vegetarische Lebensweise ist eine Art Rückkehr zu den ursprünglichen Daseinsbedingungen des Menschen. 2. Diese Rückkehr wirkt in mehrfacher Weise günstig auf den Menschen: a) Sie steigert seine Arbeitsleistung, besonders aber Dauer-Leistungen. b) Sie verleiht offenbar auch eine erhöhte Seuchenfestigkeit. Ich hörte einmal einen älteren Arzt, den ich zu überzeugen vermochte, nachdenklich sagen: Die Ärzte würden eine schwere wirtschaftliche Schädigung erfahren, wenn alle Menschen Vegetarier würden. Aber die Ärzte mögen sich beruhigen. Es gibt nichts Konservativeres, Schwerfälligeres wie Masse Mensch in ihren Ernährungs-Gewohnheiten und keinen größeren Tyrannen als die Zunge. Es werden immer nur viele Einzelne aller Völker, Rassen und Klassen eine Minderheit von biologisch heimatbewußten Menschen bilden. Ob es die „Besten" sind, wer mag das sagen? Jedenfalls: instinktsichere Rückwanderer nach einem Gebiet bewußteren Menschentums hin sind diese Wenigen. Plato hat aber ganz recht: Der Vegetarismus wird kaum jemals die Ernährungsform der Masse werden. *) Diese und alle weiter angeführten Versuche finden sich an anderer Stelle in den Dok. des Veg. genauer dargestellt. **) Prof. Grober, Jena: Hygienische und ärztliche Beobachtungen im Belad el Djerid (Süd-Tunis). ***) Wir müssen uns aber immer vor Augen halten, daß „vegetarische Kost" nicht nur durch Abwesenheit von Stoffen des getöteten Tieres (Fleisch, Blut, Eingeweide, Fett und Fleischbrühe) sich ausdrückt, sondern auch in instinktiver möglichster Meidung von Weißmehl, Hülsenfruchtkern, Eiern, Weißzucker und in Alkohol-Enthaltsamkeit. Auch wird Vieles roh verzehrt (Vitamin-Reichtum) oder gedämpft statt gekocht (Nährsalz-Bewahrung). Diese fließenden Grenzen zwischen streng veget. Kost und bloßer Fleischmeidung machen natürlich eine exakte wissenschaftliche Auseinanderhaltung des Schädigungs-Anteils 1. des Fleisches 2. des Eiweiß-Luxus-Konsums 3. der Vitamin-Zerstörung 4. der Entmineralisierung etwas schwierig, mindern aber n i c h t die strikte Gültigkeit der Staehelinschen Resultate, von denen unsere Darlegungen ausgehen. Der Vegetarier 3/86, Seite 114-117 Vegetarier-Bund Deutschlands e.V., Blumenstr. 3, 30159 Hannover, Tel. 0511-3632050, Fax 0511-3632007, http://www.vegetarierbund.de ons@ |
|||
|
« Next Oldest | Next Newest »
|

Search
Member List
Calendar
Help




